Feedback ist kein Lob – warum Führung ohne Feedforward stehen bleibt

Ich habe in über 20 Jahren Führung erlebt, wie oft Feedback mit Lob verwechselt wird.
Viele Führungskräfte meinen es gut – sie wollen motivieren, wertschätzen, das Klima positiv halten. Doch was passiert, wenn Harmonie wichtiger wird als Entwicklung? Dann bleibt Führung nett – aber wirkungslos.

Diese Beobachtung ist kein Einzelfall, sondern ein strukturelles Führungsproblem. Zwischen gut gemeintem Lob und wirksamem Feedback liegen Welten – und genau dort entscheidet sich, ob Mitarbeitende wachsen oder stagnieren.

Warum Feedback so oft falsch verstanden wird

Das Wort „Feedback“ wird in Unternehmen inflationär gebraucht – und selten richtig verstanden.
In seiner ursprünglichen Bedeutung stammt der Begriff aus der Systemtheorie und der Kybernetik: Feedback ist eine Rückkopplung, also eine Information über die Wirkung eines Verhaltens. Diese Rückmeldung soll helfen, Abweichungen zu erkennen und das System zu steuern oder zu verbessern.

Im Führungsalltag bedeutet das: Feedback beschreibt, wie das Verhalten einer Person auf andere wirkt, nicht, wer sie ist.
Genau hier liegt der häufigste Fehler. Statt Verhalten zu spiegeln, wird bewertet. Statt Entwicklung anzuregen, wird beurteilt. Und statt gemeinsam zu reflektieren, wird oft nur gelobt – um Konflikten aus dem Weg zu gehen.

Das Ergebnis: Mitarbeitende bekommen zwar Anerkennung, aber keine Richtung. Sie erfahren, dass sie etwas gut gemacht haben, aber nicht, warum – und schon gar nicht, wie sie sich weiterentwickeln können.

„Negatives Feedback“ gibt es nicht

Wenn man von „negativem Feedback“ spricht, entlarvt das oft mehr über die Haltung als über die Rückmeldung selbst.
Feedback ist per se neutral – es ist eine „sujektive Momentaufnahme“.
Erst die Art, wie Feedback aufgenommen wird, suggeriert es wäre negativ. Dabei ist man vielleicht anderer Auffassung oder nicht einverstanden, aber das ist leider irrelevant. Feedback ist die subjektive Einschätzung einer Beobachtung und kein Kompromiss.

Der Unterschied liegt in der Art der Aufnahme:
Ehrliches, konstruktives Feedback bedeutet nicht, jemanden kleinzumachen. Es bedeutet, Wachstum möglich zu machen. Es zeigt, dass sich jemand die Zeit nimmt, hinzuschauen, zuzuhören und eine Perspektive anzubieten.

Das ist anspruchsvoll. Und es gibt nur eine richtige Reaktion auf Feedback/Feedforward: Danke.

Feedforward: Führung mit Blick nach vorn

Während Feedback die Vergangenheit betrachtet („Was war gut oder weniger gut?“), richtet sich Feedforward in die Zukunft.
Der Begriff wurde von Marshall Goldsmith, einem der renommiertesten Leadership-Experten, geprägt. Sein Ansatz:

„Statt in der Vergangenheit zu wühlen, sollten Führungskräfte ihre Energie auf zukünftige Verhaltensoptionen richten.“

Feedforward ist damit lösungsorientiert und entwicklungsfokussiert.
Statt zu sagen: „Das hast du falsch gemacht“, lautet die Haltung: „Was kannst du beim nächsten Mal anders machen – und wie kann ich dich dabei unterstützen?“

Führungskräfte, die Feedforward nutzen, fördern Eigenverantwortung und Motivation.
Teams entwickeln eine gemeinsame Sprache für Fortschritt – nicht für Schuld.

Feedback + Feedforward = Führung mit Haltung

Feedback zeigt Wirkung, Feedforward zeigt Richtung.
Erst in der Kombination entfalten beide ihre volle Kraft.
Feedback würdigt das, was war – Feedforward richtet den Blick auf das, was werden kann.

In einer Zeit, in der sich Arbeit, Organisationen und Teams rasant verändern, ist diese Haltung kein „nice to have“. Sie ist Führungsnotwendigkeit.
Wer beides beherrscht, führt nicht nur mit Kompetenz, sondern mit Bewusstsein.

Wie die ME business group Führung weiterdenkt

Genau hier setzt die ME business group an.
Unsere Unternehmensberatung für Leadership- und Organisationsentwicklung befähigt Führungskräfte, Feedback und Feedforward nicht als Pflichtübung, sondern als Teil ihrer Identität zu verstehen.

Mit MEvelopment entwickeln wir praxisnahe Programme, in denen Führungskräfte lernen, Feedback-Kultur und Zukunftsorientierung systematisch in ihre Teams zu integrieren – und so nachhaltige Entwicklung zu ermöglichen.
Es geht um Haltung, Kommunikation und Wirksamkeit – nicht um Harmonie.

Für alle, die tiefer einsteigen möchten, bietet die MEcademy das passende Format:
👉 Microlearning „Feedback vs. Feedforward“ – kompakt, praxisnah und direkt anwendbar.
In 30 Minuten lernen Führungskräfte, wie sie Rückmeldungen geben, die wirken – und Perspektiven eröffnen, die bewegen.

Fazit:
Führung, die nur gefallen will, führt nicht.
Führung, die Feedback als Geschenk versteht und Feedforward als Zukunftskompetenz nutzt, schafft Wachstum – bei anderen und bei sich selbst.